lalalaladebalken
Aug 5, 2017

What the fuck is going on?

Ich schlage die Augen auf. Irgendwas ist anders. Ich schlage die Decke zurück und blicke auf die violett karierte Pyjamahose, die schätzungsweise 20 Jahre alt und 100 Mal geflickt ist. Irgendwas ist anders.

Ich bin umgezogen. Weggezogen. Ausgezogen.

In Wahrheit finde ich mich am anderen Ende Deutschlands wieder und bin völlig allein. Aussortierter Kleiderschrank, neue Möbel, meine erste eigene Couch und ein Neustart. Reset. Ich fang nochmal von vorne an.

Wie oft habe ich mir das schon gesagt und es nicht durchgezogen.

Aber an diesem Morgen ist irgendwas anders. Ich schlüpfe in meine alten Hausschuhe und schlurfe in die Küche. Geistesgegenwärtig greife ich nach dem Wasserkocher und zucke zusammen, als er einen schrillen Ton von sich gibt um mir mitzuteilen, DASS ER JETZT WIEDER DA IST WO ER HINGEHÖRT. Als ich ihm manuell befehle loszulegen TUT ER DAS MIT EINEM WEITEREN PIEPEN. Wie penetrant. Aber er tut was man ihm sagt und schon wenige Minuten später sprudelt mein Wasser.

Nachdem mein Kaffee durch den Filter getropft ist und ich es mir auf meiner neuen Couch bequem gemacht habe, schweift mein Blick durch den Raum. Alles ist genau so wie ich es wollte. Clean. Weißraum. Viel Grau mit einem Hauch von Greenery. Eine echte #Instawohnung eben, mit einem Hauch Persönlichkeit. Ich liebe es. Ich liebe alles an meiner Wohnung. Und an Hamburg. Ich liebe es, dass es einmal die Stunde regnet, ich liebe, dass mich die Leute auf der Straße nicht grüßen, ich liebe die Dekadenz und die Abgeratztheit und ich liebe einfach Hamburg. Vom ersten Moment an war ich hier zu Hause. Ich fahre nicht mehr „nach Hause“ ich fahre zum Bodensee, meine Eltern besuchen.

Mein Blick schweift durch das Wohnzimmer. Irgendwas ist anders. Ich entdecke nirgendwo Dreckwäsche, benutztes Geschirr, Müll, der nach unten gebracht werden muss oder Einkaufstüten vom Vortag. Alles ist aufgeräumt und sauber und.. so erwachsen. Ich blicke an mir herab. In der rechten Hand einen Kaffee, die linke ruht auf meinem Bauch. Daily routine. What the fuck? Kein Kater? Nichts, was ich schon ewig erledigen wollte? Kein Funkten Selbstzweifel?

Oh mein Gott. Ich wusste es, irgendwas ist anders.

Panisch blicke ich mich um. Hier muss doch irgendwo etwas sein, was erledigt werden muss. Staub? Haare auf dem Boden? Eine E-Mail die nicht beantwortet ist?

Nicht mal Flaschenpfand??

Entsetzt gehe ich in mich, um wenigstens einen ungeordneten Gedanken zu finden, der mein Leben durcheinander bringt. Bis auf ein paar Schönheitsfehler finde ich aber nichts.

Ich wusste es. Heute ist etwas anders. Denn ich bin, wie mir scheint, zum ersten Mal in meinem Leben mit mir selbst im Reinen.

Crazy shit.