lalalaladebalken
Mai 11, 2018

Die Herren der Erschöpfung

Ich habe sehr lange überlegt, ob ich diesen Text schreiben soll. Aber nachdem mich dieses Thema seit vielen Jahren begleitet, werde ich jetzt mal versuchen meine Gedanken dazu in Worte zu fassen. Womöglich verallgemeinere ich einiges und mache eine große Schublade auf und knalle sie mit einem Tritt in die tiefer gelegene Region wieder zu. Der Thematik entsprechend ist das für mich aber okay. Weil es ist mein Blog. Da darf ich das. Und wer etwas Grips besitzt, wird mir das jetzt auch nicht übel nehmen und mir mit einem „aber es sind nicht alle soooooooo“-Kommentar die Zeit rauben. Das weiß ich selbst. #aberdanke

Ich bin erschöpft.

Es ist egal wie groß meine Abneigung anderen Menschen gegenüber ist. Es ist egal wie oft ich es betone. Es ist VOLLKOMMEN EGAL. Am Ende muss ich mich trotzdem immer für alles rechtfertigen. Als würde das, was ich sage immer nur für alle anderen gelten und nicht für den, der sich beschwert. Wahrscheinlich gehört das einfach zum Leben dazu.

Erst war es Facebook. Jetzt ist es Instagram.

Soziale Plattformen, die eigentlich dazu gedacht sind, SOZIALE BEZIEHUNGEN zu pflegen, werden mittlerweile als Tinder-Ersatz verwendet. Zumindest kommt es mir so vor. Ist ja auch praktisch, wenn kein Match bestehen muss, damit man den anderen anschreiben kann. #vollawesomehalt.

Was ich teile, mit wem ich es teile und warum, ist in erster Linie mir überlassen und auch, wenn viele denken, ich müsse mich dafür rechtfertigen, sehe ich das anders. Soll doch jeder machen wie er denkt. Warum nehmen Menschen meine Inhalte persönlich? Mir ist es egal wie viel Bein, Bauch, Brust, Haar oder what ever ich zeige. Es ist mir egal ob Klaus Herbert, 56, aus Karlsruhe meine Bilder likt und sich am Abend darauf einen runterholt. Es interessiert mich nicht. Selbst wenn, solange es ihm dabei gut geht: Gönn dir.

Ich bin mir dessen bewusst was ich zeige, zeigen kann und wie ich es zeigen will. In allem, was ich ins Internet lade, steckt Arbeit und (soweit es in meiner Macht liegt) auch Qualität. Ästhetische Qualität. Ein Bild soll Emotion auslösen. Ob das jetzt Neid, Bewunderung, Inspiration oder auch nur Erregung ist. Ziel erreicht. Alles andere wäre für mich und den Betrachter Zeitverschwendung.

Ich zeige nicht mehr, als jedes andere Mädchen im Freibad. Eher viel weniger wenn wir mal ehrlich sind.

Kommen wir zu den privaten Nachrichten die mich im Laufe meines #Instalifes so ereilen.

Erdreiste ich mich diese in Gegenwart von ein paar ausgewählten Exemplaren meiner Freunde zu erwähnen, muss ich mir von eben diesen Personen Dinge anhören wie „Was erwartest du denn, wenn du dich so präsentierst.“ Oder „Ja schau dir doch mal deine Bilder an.“ Okay. Tabuthema. Dahingehend steh ich also im „Real Life“ alleine da. #istgespeichert

Aktion. Reaktion. Am Ende ist es doch das, was der Betrachter daraus macht. Und damit komme ich auch zum springenden Punkt.

Ich freue mich selbstverständlich, wenn mein Content geschätzt wird. In welcher Form das auch immer sein mag. Ich freue mich über konstruktive Kritik, Lob und Erregung. Äh. Anregung. Leider hat sich aber gerade Instagram in den letzten Jahren sehr verändert. Bzw. eher seine User.

Für alle die es nicht bereits geahnt haben: INSTAGRAM IST NICHT TINDER!

Fast täglich erreichen mich Nachrichten mit Interessensbekundungen, Date-Anfragen oder einfach nur irgendwelche Bilder von Geschlechtsteilen. Vielen Dank dafür aber..

Jungs. Seriously.

ALS WÜRDEN MICH KRUMME, KLEINE PIMMEL VON IRGENDWELCHEN WILDFREMDEN INTERESSIEREN?!

(Vielleicht sollte ich anfangen jedes Mal einen Screenshot machen und dem nächsten Schwanz dann genau dieses Dickpic weiterschicken. Schwanzvergleich. Erregter Austausch? What ever.)

Was man bei all dieser Scheinwelt eben nicht vergessen darf ist, dass immer noch ein menschliches Leben dahintersteckt. MEIN Leben. So kommt es also vor, dass ich mich mit Menschen treffe, die mir nahe stehen oder OMG! vielleicht ist sogar mal ein Mann dabei? Man stelle sich nur vor, ich bin so dreist und teile meine Freude über ein harmonisches Zusammensein in einer Story. Instant ereilen mich Nachrichten wie

„How serious is that??“

„Ouch..“

oder einfach nur ein gebrochenes Herz.

Diese Reaktionen machen mich fassungslos. Ja. FASSUNGSLOS. Mir fehlen die Worte. Fremde Menschen, mit denen ich noch nie oder kaum gesprochen habe, erheben Anspruch auf mich und nehmen sich das Recht heraus, VERLETZT zu sein. Verletzt dadurch, dass ICH mein Leben lebe und eventuell wage, offline glücklich zu sein? Verletzt, dass ich von meinem Recht Gebrauch mache, auf eine Date-Einladung mit einem respektvollen „Nein“ zu antworten und mich aber im Gegenzug mit jemand anderem treffe? Verletzt, dass ich so fair bin und niemanden treffe, an dem ich Null Interesse habe und der mir von Anfang an signalisiert hat, dass er „meine krassen Tattoos voll goooooil findet und halt auch so meeeega auf „Frauen wie mich“ steht“.?

Du Ficker. Wo in dieser Ego-Nummer kommt eigentlich das Interesse an mir als Mensch an die Reihe? Und sich dann beschweren, dass ICH so dreist bin und nur Männer date, die mir optisch gefallen? Wo es doch gerade Männer sind, die zu allererst Mal nach der Optik entscheiden, ob sich in ihrem Unterhöschen was tut. Gleichberechtigung Baby.

WHAT THE HELL IS GOING ON WITH YOU GUYS?

Im Grunde bin ich nur irgendein Mädchen von Instagram. Nicht mal eines, dass neue Trends setzt oder tausende von Followern bespaßt. Nein. Ich bin auch nur tätowiert. Ich bin auch nur gepierct. Ich hab auch nur gefärbte Haare. Ich koche auch nur mit Wasser. Ich mach auch nur ein bisschen Content. Wie Millionen andere Nutzerinnen auch.

Auf Instagram ist alles gut, solang die Follower nicht sehen, dass man Freunde hat und es Leute gibt, die einem privat sehr nahe stehen. Auf Instagram ist alles gut, solang die Content-Follower-Beziehung eine Face-to-Face Geschichte ist. Und bleibt. Ganz privat (in der Öffentlichkeit), ohne offensichtliche Konkurrenz durch andere Menschen.

So sehe ich mich also regelmäßig mit der Wahrheit konfrontiert, dass ich Herzen von Menschen breche, die ich nicht kenne. Nur, weil ich glücklich bin. Dahergelaufene Typen aus ALLER WELT, die mich entweder mit ihrem Drama vollsülzen oder beleidigen, weil sie nicht ertragen, dass ich sie nicht irgendwann heiraten werde. Oder sie blockieren mich aus ihrer Wut heraus bis sie merken, dass ich das nicht mal merke. Entblockieren mich und beschweren sich dann.

Wie kommen Männer aber auch immer auf die Idee, dass eine Frau ausgerechnet auf sie gewartet hat? Dass es sonst niemanden gibt, der Interesse zeigt?

WIE, VERDAMMTE HACKE, KOMMT IHR DARAUF, DA SO EIN FASS AUFZUMACHEN UND EUCH MIT EUREM MINI PIMMEL IN’S SCHLÜPFERCHEN ZU MACHEN?!

Meine Fresse.

 

Alle beschriebenen Handlungen sind nicht frei erfunden und beruhen auf Erfahrungswerten. Jegliche Ähnlichkeiten mit lebenden und realen Personen sind keines Falls zufällig.