lalalaladebalken
Mai 24, 2018

Ist mir schnupper

Seit ich in Hamburg wohne, bin ich begnadete U-Bahn-Fahrerin. Ich genieße jeden Tag, an dem ich mich nicht in ein Auto oder einen Bus setzen muss. Ja wirklich, ich genieße es im Sommer, im kühlen U-Bahnhof auf die Bahn zu warten und loszufahren. Einsteigen, Aussteigen – wann und wo ich will. Zwischendrin mal an die Erdoberfläche tauchen, die Elbphilharmonie bestaunen und wieder zurück unter die Erde.

Ich liebe das. Vorausgesetzt die Bahn ist nicht zum Bersten vollgestopft.

Wer jetzt aber meinen Blog schon etwas länger verfolgt, weiß, dass es da ein kleines Problem gibt. Es sind einfach überall Menschen. Dass ich beispielsweise immer jemand anderen zuerst aussteigen lasse, um den Knopf nicht drücken zu müssen, spielt hier keine Rolle. Auch, dass ich mittlerweile Meisterin des haltlosen Stehens im Gang bin, ohne das Halten einer Stange auch nur in Erwägung zu ziehen, ist jetzt nicht Thema.

Denn eigentlich geht es in diesem Text um etwas ganz anderes.

Ich saß also in der U-Bahn. Nach Feierabend. Die Bahn war semi-überfüllt. Eben gerade so, dass es schon anfing im Nacken zu kribbeln und schwitzig in den Handflächen zu werden. Ich bin nämlich einer dieser Trottel, der sich drei Haltestellen vor Schluss überlegt, wie er hier wohl am besten rauskommen. Selbst bei komplett leeren Wagons bricht bei mir innerliches Chaos aus, wenn ich erst dann aufstehe, wenn der Zug bereits gehalten hat. Beim Bremsvorgang müsste man sich im Notfall ja doch noch irgendwo festhalten. Grah!

Zurück zum Thema. Was ja neben allerlei Menschlichkeit auch noch die Wahrnehmung penetriert, sind Gerüche. Gerade im Sommer, wenn viele Menschen von der Arbeit kommen, riecht der ein oder andere ja doch etwas.. nennen wir es mal „gebraucht“. Ich sitze also an diesem Abend nach der Arbeit in einer U-Bahn, es ist Sommer, ich bin umgeben von Menschlichkeit.

Doch dann kommt da dieser kurze Moment.

Und ich kann ihn riechen. Einen Duft, den ich seit Jahren nicht gerochen habe. Keinen aus dem Reagenzglas, nein, einen Duft den ich mit jemandem verbinde. Im ersten Moment konnte ich ihn nicht zuordnen. Aber ich liebte das Gefühl, dass er mir keinen Stich versetzte sondern einfach nur schön war. Ich fühlte mich sehr wohl. Klar musste ich überlegen, aber mein Bauch wusste sofort worum es geht. Es war die Essenz eines Gefühls, dass mir ein sehr lieber Mensch vor zwei Jahren vermittelt hatte. Es roch nach einer Art von Liebe, Trost, Sonne, Freiheit und Freundschaft. Verrückt, wie man sich nach Jahren noch, innerhalb von Sekunden, so fühlen kann.

Ich finde das riecht nach Unendlichkeit.