lalalaladebalken
Sep 26, 2018

Hola Chicken

Nach einem Jahrhundertsommer wie dem, der uns 2018 hier in Hamburg besucht hat, ist es nun endlich wieder soweit: Es regnet, es windet, es ist kalt, alle verziehen die Gesichter und ich? ICH LIEBE ES. Endlich ist es wieder da, mein geliebtes Schmuddelwedda. Gott Regen, wie hab ich dich vermisst! Und da geht es nicht nur um den unverwechselbaren Geruch von Regen, Kerzen, das Tragen von Kuschelsachen und verschmiertem Liedstrich. Es geht um Suppe.

Ich gestehe: Ich bin ein Suppenkasper. Oder Kasperin?

Aufgrund meiner mangelnden Begabung für das Zubereiten von warmen Speisen jeglicher Art (Ja. Ich versaue sogar Spaghetti. Kein Scheiß.) scheue ich trotzdem keine Kosten und Mühen, irgendwann doch noch mein Talent fürs Kochen zu entdecken. Tütensuppen und TK-Pizza klappen ja immerhin auch schon seit Jahren einwandfrei.

Zurück zum Thema. Es ist endlich Herbst und deswegen wollte ich ein, mir schon lange im Kopf herumgeisterndes Thema umsetzen: Die Hühnersuppe. Klingt einfach, für mich aber tatsächlich eine große Herausforderung. Nicht, weil mehr als 4 Zutaten (!) verwendet werden, sondern weil mich die Vorstellung der Interaktion mit einem Suppenhuhn eingeschüchtert hat. Dieses will nämlich unsittlich berührt, gebadet und anschließend zerlegt werden. Bah…

Ich bin ein schlechter Mensch.

EIGENTLICH vertrete ich die Meinung, dass wer Fleisch isst, sollte auch mit den ungemütlichen Nebeneffekten, die es mit sich bringt umgehen können. Ich versage hier auf voller Linie. An Fleisch- und Wursttheken husche ich mit Tunnelblick vorbei, die Grillfleisch-Ecke hat mich noch nie aus der Nähe gesehen und mein Kühlschrank kennt totes Tier nur in Form von Salami. Der Versuch rohes Fleisch anzufassen, geschweige denn zu präparieren und dem Todesopfer entsprechend lecker zuzubereiten: Oft versucht doch nur gescheitert. Deshalb lasse ich es einfach kategorisch bleiben und esse dafür lieber mal ein gutes Stück Fleisch in einem Restaurant. Ah wait. Nicht mal das. Bin zu geizig und mag viel zu gerne Nudeln. So what?

Egal. Zurück zur Suppe.

Nachdem ich gefühlt das ganze Internet und die Gehirnzellen der Köchin meines Vertrauens (Mama i love you) durchforstet habe, habe ich schließlich ein Rezept gefunden, das ich mir vorstellen konnte umzusetzen. Ein schönes Foto (klar), wenig Zutaten auf der Liste und der unstillbare Hühnersuppen-Hunger verleiteten mich also zur Pilgerfahrt in den nahegelegenen Supermarkt.

Und es lief gut. Nach einem kurzen und professionellen Flirt mit dem Gemüsemann, konnte ich das letzte Päckchen Suppengemüse ergattern und mir beim Gewürzregal Lorbeerblätter sichern. Ich suchte so Stück für Stück alle Zutaten für mein abendliches Geschmackserlebnis-Kunstwerk zusammen, bis nur noch eines fehlte: Das verdammte Suppenhuhn itself.

Todesmutig schritt ich voran in die Abteilung des Todes. Tunnelblick. Ekelschweiß und das schlechte Gewissen eines Fleischessers, der kein Fleisch anfassen oder anschauen will, lief mir den Rücken herunter, als ich meinen Blick über das tote Gebein der Auslage schweifen lies. Und da lag es. Ein kleines nackiges Hühnchen ohne Federn und Kopf. Bestimmt hatte es mal einen Namen. Jetzt heißt es BIO SUPPENHUHN.

Professionell und so cool wie geht, holte ich das eingeschweißte arme Ding aus dem Kühlschrank und wollte es bereits in meine Tasche gleiten lassen, als ich versehentlich nochmal einen Blick darauf warf. Eine pickelige, blassrosa Masse starrte mich augenlos durch das Plastik an und verlieh der Situation mit ein paar Federwurzeln (nennt man das so? Wie Haarwurzeln halt, nur von Federn. Ihr wisst was ich meine) eine unerwartete Dramatik. Aus dem Po (oder vielleicht war da mal der Kopf?) war Blut geronnen, ich konnte Knochen sehen. Panik.

Hühnersuppe hilft bei Erkältungen, haben sie gesagt.

Mir kam es kurz hoch. Angeekelt von mir selbst, der Welt und dem Universum generell, hob ich die Verpackung mit Zeigefinger und Daumen wieder hoch und legte es dahin zurück, wo es vorher war. Und da stand ich nun also. Enttäuscht, angeekelt und Frustriert. Und ohne Suppenhuhn.

Ekel-Herpes incoming.

Veganes Leben. Du kannst mich haben. Ich ergebe mich. Wie erbärmlich es ist Fleisch zu essen, alles was davor ist aber nicht zu ertragen. Ich hasste mich. Mein neues Leben würde nun beginnen. Und zwar mit einem anderweitigen Abendessen.

Noch während ich auf der Suche nach einer Abendessen-Alternative durch die Gänge zog, hing ich mit meinen Gedanken im veganen Universum fest. Schlussendlich fand ich an der Kasse wieder zu mir. Glücklich darüber, kein Suppenhuhn schänden zu müssen, bezahlte ich die Einkäufe und machte mich summend auf den Heimweg.

Dass mir erst beim Auspacken der Sachen Zuhause bewusst wurde, dass Schinken-Käse-Toast so ziemlich das Gegenteil von vegan ist und ich mich wieder instant selber hasste, lassen wir mal außen vor.

Immerhin hatte ich schätzungsweise 10 Minuten meines Lebens, die ich vollkommen überzeugt als Veganerin verbrachte. Wie schön.